Styledarlings's Blog

Mai 19, 2010

Miriam Pharo: Ein Leben im Jahre 2066

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Autorin Miriam Pharo

Autorin Miriam Pharo

Miriam Pharo, 44, ist Schriftstellerin aus Leidenschaft und Berufung. Geboren im spanischen Cordorba, verbrachte sie die ersten Kindheitsjahre im französischem La Rochelle, um mit neun Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland zu ziehen. Obwohl sie nicht in der schönsten aller Städte lebt, schlägt ihr Herz für Hamburg und so ist es kaum verwunderlich, dass die Zukunftsthriller der Autorin in der Hansestadt spielen bzw. vielmehr in der Stadt, die Hamburg im Jahre 2066 sein wird: Hanseapolis.

Am 29. Mai haben Fans des Genres Zukunftsthriller die Möglichkeit, die sympathische Miriam Pharo bei einer exklusiven Bunker-Lesung aus ihrem zweiten Buch „ Sektion 3 / Hanseapolis Schattenspiele“ live zu erleben.

Karten für € 10,-, unter via Mail lesung@spinnaker-events.de

Sektion 3 / Hanseapolis „Schlangenfutter“ und „Schattenspiele“ mutet schon sehr futuristisch an. Darunter steht „Zukunftsthriller“ – also eine Mischung aus Krimi und Science-Fiction. In welchem der Genres siehst du dich selbst am ehesten?
Ich sehe mich eher im Science-Fiction-Genre, weil es meine Fantasie anregt und unendlich viele Geschichten bereit hält. Mit meinen Romanen möchte ich auch Nicht-SF-Leser begeistern, vor allem Frauen. Das schönste Kompliment für mich ist, wenn eine Leserin schreibt: “Eigentlich lese ich keine SF, aber ich fand das Buch ganz toll!“ Science-Fiction-Leser sind tendenziell männlich. Viele Frauen schreckt neben dem Technik-Aspekt die düstere Atmosphäre ab. Zwischenmenschliches, psychologische Tiefe und große Emotionen findet man im SF-Genre eher selten. Leider. Vielmehr wird es von einer harten, gewalttätigen Realität beherrscht. Märchenhaftes hat da keinen Platz, im Gegensatz zu historischen Romanen oder Fantasy. Beim Schreiben versuche ich deshalb, nicht eindimensional zu sein, sondern Situationen sprachlich angemessen zu würdigen. Wenn eine bis zu den Zähnen bewaffnete Spezialeinheit zur Tat schreitet, geht es natürlich hart zur Sache. Wenn sich Elias, mein männlicher Protagonist, in seine Welt zurückzieht, wird es fast philosophisch, und wenn seine Partnerin Louann dem blutigen Alltag entrinnen will, steckt sie ihre Nase in einen historischen Roman. Das ist das Leben.

Die Geschichten spielen in der Megacity Hanseapolis – ein Zusammenschluss der alten Hansestädte Hamburg und Lübeck. Wie bist du auf den Gedanken gekommen, deine Geschichte in Norddeutschland spielen zu lassen?

Ich habe eine Zeitlang in Hamburg gelebt und fand, dass diese wunderschöne und faszinierende Stadt die ideale Kulisse für einen Zukunftsroman darstellt, der in Deutschland spielen sollte. Als mir klar wurde, wie riesig die Ausmaße einer Megacity im Jahr 2066 sein mussten, kam mir die Einsicht, dass diese bis nach Lübeck reichen könnte. Auch wenn in meinem Roman außer dem Holstentor, das unter einem schützenden Glassolitär steckt, nicht mehr viel von Lübeck übrig geblieben ist. Die Lübecker mögen es mir verzeihen. Das flache Land zwischen den beiden Hansestädten schien mir wie prädestiniert für die Bildung einer futuristischen Megacity.

Deine Hauptfiguren sind Louann Marino und Elias Kosloff, ein sehr unterschiedliches Ermittlerpaar. Sie sehr enthusiastisch, er ein wenig fragwürdig. Hattest du bei ihrer „Geburt“ jemanden bestimmtes im Kopf oder haben sie sich während des Schreibens zu Persönlichkeiten entwickelt?

Ich hatte bei meinen Hauptfiguren niemand bestimmtes im Sinn. Ich habe sie nicht kreiert, vielmehr haben sie sich mir nach und nach erschlossen. Ihre Persönlichkeiten setzten sich nur langsam zusammen, wie im realen Leben. Es gibt Autoren, die Psychogramme ihrer Figuren erstellen, inklusive einer ausführlichen Biographie, um sie dann entsprechend handeln zu lassen. Ich stelle mir das sehr schwierig vor, schließlich kann ich im normalen Leben auch nicht immer vorhersagen, wie Menschen reagieren werden, sogar wenn sie mir vertraut sind. Ich jedenfalls lasse mich lieber von meinen Figuren überraschen. Sie werden von Urbedürfnissen wie Angst, Liebe, Gier oder Ehrgeiz geleitet. Alles andere ergibt sich aus der Situation.

Was macht die Sektion 3 in deinen Augen so lesenswert?

Ein Leser schrieb einmal: „Es ist ein Thriller. Es ist Science-Fiction, aber es könnte auch morgen sein. Man wird in eine fremde Welt versetzt, die mysteriös, fremdartig, anders ist. Und trotzdem wirkt alles vertraut.“ Es ist deshalb lesenswert, weil es deutschsprachige Science-Fiction ist, die sich auch tatsächlich mit dem Schauplatz Deutschland beschäftigt. Leider unterwerfen sich viele Autoren der Konvention, jede erzählbare Zukunft müsse amerikanisch sein, wobei Europa und Asien höchstens Quotenanteile in Form von Nebenfiguren zugestanden werden. Abgesehen davon ist Sektion 3 / Hansepaolis sauspannend!

Bisher gibt es zwei Bücher aus der Reihe „Sektion 3 / Hanseapolis“. Sind weitere geplant? Schreibst du vielleicht schon an einem?

Meines Erachtens birgt die Thematik noch viele spannende Geschichten, denn auch wenn Hanseapolis im Mittelpunkt steht, bekommt man Einblicke, wie es in Europa, der Welt und sogar darüber hinaus zugeht. Zurzeit arbeite ich tatsächlich  an einem dritten Hanseapolis-Roman. Der vorläufige Titel lautet „Präludium“, kein zweigeteilter Roman dieses Mal, sondern eine eigenständige Story. Das Buch wird in 24 Kapitel aufgeteilt sein, nach den Präludien von Frédéric Chopin. Von der Grundstimmung leitet mich die Musik. Das 1. Kapitel ist thematisch lebhaft, das 2. getragen und eher „dumpf“, das 3. beginnt mit einem kurzen (flatternden) Rundflug über der Stadt, usw.

Du bist Werbetexterin und hast für verschiedene Agenturen und Unternehmen gearbeitet. Wie und wann entstand die Idee, ein Buch schreiben zu wollen?

Wie viele meiner Texterkollegen hatte auch ich den Traum, eines Tages ein Buch zu schreiben. Doch irgendwie war nie der richtige Moment. Der kam erst, als wir aus Hamburg wegzogen.

Ursprünglich ist der erste Roman als E-Book in Eigenregie gestartet. Haben Verlage dein damaliges Script abgelehnt? Wie waren die Resonanzen auf das E-Book?

Ehrlich gesagt habe ich keinen einzigen Verlag angeschrieben. Stattdessen habe ich meinen Roman als interaktives E-Book veröffentlicht und auch vertrieben. Mithilfe einer Hamburger Grafikerin gingen wir mit der PDF-Version meines Romans bis an die Grenzen der technischen Möglichkeiten. Wir haben Mouse-Over-Funktionen eingebaut, mit denen der Leser die Gedanken der Figuren bzw. Illus und futuristische Hintergrundinfos aktiv sichtbar machen konnte. Die Story sowie die interaktiven Gimmicks, die perfekt zum Science-Fiction-Genre passten, kamen bei den Lesern sehr gut an. So wurde letztlich auch mein jetziger Verlag auf mich aufmerksam.

Mit deinem Mann hast du eine zeitlang in Hamburg gelebt. Was hat dir hier besonders gefallen? Gab Hamburg den Ausschlag für die Romane?

Als wir 2006 aus beruflichen Gründen in den Süden zogen, war ich sehr betrübt. Zu der Zeit begann ich auch, meinen ersten Roman zu schreiben. Zu Anfang war die Sehnsucht sicherlich federführend. Es hat auch über drei Jahre gedauert, bis ich es übers Herz gebracht habe, Hamburg wieder zu besuchen. Für mich ist die Stadt eine der schönsten in Europa. Es war zwar Liebe auf den zweiten Blick, dafür aber richtig. Meine Romane sind eine Hommage an diese großartige Stadt, deren Schönheit oft verkannt wird, vor allem international. Das Flair, die Menschen, das Zusammenspiel von Alster und Elbe … das alles stellt für mich eine wunderbare Kulisse dar. Övelgönne und die Außenalster waren Plätze, die mich immer verzaubert haben. Ich bin in meinen Romanen nicht gerade zimperlich, trotzdem habe ich es nicht fertig gebracht, die Jugendstilvillen an der Außenalster platt zu machen. Im Jahr 2066 befindet sich hier ein Nobelbezirk, der mithilfe eines gigantischen Kraftfelds vor dem Moloch der Großstadt geschützt wird. Dafür ist die Binnenalster zu einem riesigen Teich im Herzen der Europapassage „verkommen“ und Övelgönne existiert schon lange nicht mehr. Das Planten un Blomen, eine weitere Oase der Muße, habe ich kurzerhand 700 Meter über den Boden verfrachtet und über die Elbphilharmonie regt sich schon lange niemand mehr auf. Sie gilt als „Alte Dame“ der HafenCity.

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