Styledarlings's Blog

Juni 8, 2010

Die Styledarlings fragen sich: Ist Monogamie noch zeitgemäß?

Filed under: Lifestyle — Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , — styledarlings @ 8:58 am

Ist Monogamie noch zeitgemäß?“, war die Frage, die sich die Styledarlings diese Woche gestellt haben – und die interessanterweise direkt kontrovers diskutiert wurde. Weil wir wissen wollten, wie ihr das seht, hier unser Pro und Contra, jeweils von einem Styledarling geschrieben.

Pro:

Ich bin ein Höckerschwan. Zumindest, wenn ich der Definition auf Wikipedia über den Begriff „Monogamie“ folge. Die Schwäne werden dort nämlich als Beispiel für lebenslange Treue aufgeführt. Eigentlich müssten diese wunderbaren Tiere damit auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt werden. Denn wenn man sich heute für monogam erklärt, wird man gern schräg von der Seite angesehen, so nach dem Motto: „Gott, was bist Du denn jetzt für ein Spießer.“ „Wir leben doch nur einmal“, „Das Leben ist zu kurz für nur einen Kerl/ eine Frau“, „Früher war die Lebenserwartung so kurz, dass man frohen Mutes „bis dass der Tod Euch scheidet“ schwören konnte – dauerte ja nur bis Mitte 20“, die Liste der so genannten Argumente gegen Monogamie und Treue in einer festen Beziehung ließe sich beliebig fortsetzen.

Natürlich sind wir heute viel mehr Versuchungen ausgesetzt, als die Generationen vor uns. Unsere Lebenserwartung ist drastisch gestiegen. Die „sexuelle Revolution“, die Pille, eine noch nie dagewesene Freiheit im Denken und in der Mobilität – so viele Versuchungen lauern im 21. Jahrhundert auf uns an jeder Straßenecke, im Büro, im Sportclub und via Internet und Datingbörsen sogar in den eigenen vier Wänden. Der Betrug wird bequem – und wer der Meinung ist, dass Treue out ist, wird sowieso immer ein Hintertürchen finden, um seinen Beschiss zu sanktionieren. „Meine Frau versteht mich nicht“, „Mein Mann hat nie Zeit für mich“, „Ich brauche mehr Sex“ – auch diese Aufzählungen kann man bis ins Unendliche fortführen.

Für mich ist allein schon die Diskussion darüber, ob Monogamie noch zeitgemäß ist, ein Spiegel unserer Gesellschaft. Werte, zu denen Ethik, Moral, Anstand, Ehrlichkeit, Freundschaft, Rücksichtnahme, Loyalität und, eben auch, Treue und damit die Monogamie in einer Beziehung, gehören, sind erschreckend aus der Mode gekommen. Die „Ich will Spaß“-Gesellschaft drückt aufs Gaspedal und wer nicht mitzieht, hat eben selber Schuld. Rücksichtslos werden die eigenen Belange durchgesetzt, koste es, was es wolle. Dass fängt damit an, dass die SUV-Ziegen ihre monströs großen Wagen grundsätzlich nur in der zweiten bis dritten Reihe parken, wenn sie ihre Kids vor der Schule ein- bzw. ausladen, geht über die so genannten „Wahlversprechen“ der Politiker, die uns, um eigene Interessen zu wahren, durchgehend für dumm verkaufen und hört eben auch nicht auf beim eigenen Partner. Hauptsache ICH.

Kants kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ wird in unserer Welt Stück für Stück zu Grabe getragen, denn kaum jemand schert sich noch darum, welche Auswirkungen sein Handeln auf andere oder gar die Gesellschaft hat. Und mit Sicherheit wird auch meine Haltung daran nichts ändern. Aber: Ich habe wenigstens eine. Und die heißt, wenn ich eine Beziehung habe, bin ich treu. Punkt. Damit befinde ich mich – wenigstens ab und zu – in prominenter Gesellschaft. Heidi Klum sagte neulich in einem InStyle Interview, dass sie niemals mit anderen Männern flirte: „Es ist respektlos gegenüber dem eigenen Mann. Ich würde das nie tun. Ich bin ihm treu ergeben und er mir auch.“ Nun mag man von Heidi halten, was man will – aber in dem Punkt hat sie eindeutig recht, finde ich. Treue hat, neben der Liebe, eindeutig auch etwas mit Respekt zu tun. Und damit mit Werten. Und, ganz ehrlich, wenn jemand frohen Herzens den eigenen Partner hintergeht – wie viel Chance besteht dann, dass er sich in anderen Dingen als gerade, aufrecht und ehrlich erweist? Das beste Mittel, monogam zu sein, ist doch eigentlich ein ganz einfaches: Es heißt „Nein“ zu sagen, wenn man merkt, dass es brenzlig werden könnte. Und wenn die Hormone trotzdem völlig durchgehen, der Blitz einschlägt, die „Once in a lifetime“ Liebe in der Tür steht – dann gibt’s immer noch die Möglichkeit, ERST für klare Verhältnisse zu sorgen und DANN etwas Neues anzufangen.

Contra: Tiere sind überbewertet – ich bin Mensch! Monogamie ist sicherlich etwas ganz feines für denjenigen, der es kann, aber realistisch betrachtet sind das wohl die wenigsten. Oder warum sonst trennen sich so viele Paare wegen eines Seitensprungens?

Der Mensch ist meiner Ansicht nach nicht dazu geschaffen worden, um sein Leben an der Seite eines Partners zu verbringen. Auch wenn viele der Meinung sind, früher – damals war ja bekanntlich eh alles besser – hätten die Paare in trauter Monogamie gelebt, der irrt. Vielweiberei bei Männern gab es immer schon und auch die Damen der feinen Gesellschaft haben nichts anbrennen lassen. Also, alles wie jetzt auch, nur das sich die Polygamie durch alle Schichten zieht.

Mal ganz ehrlich, wer hat denn innerhalb einer Beziehung noch nie daran gedacht, wie nett es jetzt wäre, mit jemand anderem gewissen Momente zu genießen? Der Betrug beginnt im Kopf und nicht in der Hose. Diese kleinen, nicht ganz so monogamen Gedanken gönnen wir uns doch alle als Ausflug von der Realität, sozusagen ein kleiner, verruchter Miniurlaub.

In jungen Jahren – ich befand mich gerade in einer meiner Findungsphasen – führte ich eine „offene“ Beziehung. Gemeint war damit, gedanklich und im Herzen sind wir uns treu ergeben, die körperlichen Freuden werden aber auch gerne mit anderen geteilt. Getrennt voneinander, versteht sich von selbst. Dieses Experiment ist gescheitert – während er sehr offen den körperlichen Teil mit anderen Frauen genoss, wurde ich immer verschlossener, packte gedanklich die Mordinstrumente aus, wenn er mir von seinen Erlebnissen berichtete. Um es kurz zu machen – damals glaubte ich noch an die Monogamie und es war für mich die erstrebenswerteste Form aller Beziehungen.

Heute – 27 Findungsphasen später – sehe ich es anders. Im Kopf bin ich häufig untreu gewesen, habe lange, gerne und ausführlich über andere Männer nachgedacht. Körperlich, nun ja, einmal ist es mir passiert – ich habe fremd geknutscht. Es war aufregend und schön. Ein schlechtes Gewissen hatte ich nicht. Den Schritt weiter bin ich nicht gegangen, aber das lag eher an der Situation, in der ich mich befand. Wäre sie anders gewesen, es wäre weiter gegangen, da bin ich sicher.

Meiner Beziehung hat es nicht geschadet, im Gegenteil. Gefühlsmäßig bin ich zu 100% bei meinem Freund gewesen, eine Trennung stand von meiner Seite aus nie zur Debatte. Nach meinem kleinen Ausflug habe ich meine Beziehung deutlich mehr genossen und er – also mein Kerl – hat ohne es zu wissen von meinem Miniurlaub profitiert. Also alles gut.

Ich denke, man sollte einen Seitensprung nicht immer als das Ende des Vertrauens und der Beziehung werten. Manchmal ist die Polygamie der Aufbruch zu einer ganz neuen Stimmung innerhalb des eigenen Liebeslebens. Und mal ganz ehrlich – es schläft mit der Zeit doch eigentlich fast immer ein, oder? Sich zu trennen, nur weil der Partner mal mit der Sekretärin vom Chef auf der Betriebsfeier ein kleines Amore hatte, ist Blödsinn! Zusammen bleiben und sich über ein kleines Geheimnis freuen – dann kickt es auch wieder mit dem eigenen Partner.

Man mag jetzt denken, wie wertelos und unmoralisch ist so eine Einstellung – ich aber sage, ist es nicht viel unmoralischer und auch verlogener, sich selbst zu belügen und betrügen? Beginnt die Treue nicht erstmal bei sich selbst? Liebe gibt es in vielerlei Form und man kann die Körperliche von der Geistigen trennen.

6 Kommentare »

  1. Zeitgemäß? Darüber habe ich noch nie nach gedacht. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man beschissen wird. Ist nicht sonderlich prall, man kämpft schon ziemlich mit seinem Selbstwertgefühl danach. Ich habe mich danach getrennt, kenne aber Paare, die sich nach einer Bescheisserei als Paar generalüberholt haben und die heute eine bessere Beziehung als vorher führen.

    Kommentar von Catherine — Juni 8, 2010 @ 10:17 am

  2. Diese Frage ist keine Modefrage. Der Mensch sucht nach Sicherheit, dennoch, ein interessanter Artikel, den ich mir in Ruhe durchlese.

    Kommentar von autumn — Juni 8, 2010 @ 10:32 am

  3. Manchmal kann man etwas nicht schwarz oder weiß sehen. Es gibt dermaßen viele Grauschattierungen, gerade in diesem Bereich.
    Manchmal erfordert die Situation etwas, was hinlänglich von der Gesellschaft mit Mißtrauen beobachtet wird – aber dennoch manchmal der einzige Weg ist.
    Einen Partner zu betrügen, sich eine Parallelwelt zu schaffen ist manchmal ein guter Weg. Nämlich, um selber glücklich zu sein, ausgeglichen zu sein – und nicht, weil man in erster Linie den Partner „bescheissen“ will… sondern um, wenn man es NICHT tun würde, in der „heilen“ Welt verrückt werden würde.
    Im Endeffekt haben also alle etwas davon.
    Vielleicht ist aber die Welt noch nicht so weit.

    Kommentar von Chrissi — Juni 9, 2010 @ 11:44 am

  4. „Zeitgemäß“ ist Monogamie nicht. Nein. Monogamie war seit jeher nur ein sicherer Hafen, ein zweckgerichtetes füreinander Sorgen. Die Frau macht die Höhle sauber und die Kinder groß, dafür schleppt der Mann das Futter an und schlägt Säbelzahntiger in die Flucht. Sexuell gesehen war und ist Monogamie ein guter Schutz vor Geschlechtskrankheiten, die bis zur Erfindung von Penecillin eklig, entstellend und tödlich sein konnten. Gesellschaftlich verordnete Monogamie vereinfachte das Zusammenleben, weil die Testosteronkämpfe um begehrte Weiber deutlich eingeschränkt wurden und Außereheliches aus Angst vor dem Fegefeuer heimlich und leise und somit selten die allgemeine Ordnung störend stattfanden. Im Grunde aber war es immer ein Mittel zum Zweck. Als dieser Zweck durch die Emanzipation genommen wurde, kam die Romantik ins Spiel. Eine sehr praktische Angelegenheit wurde mit einem mal in die rosa Sphären gehoben, verinnerlicht. Monogamie sollte mit einem Mal das totale gegenseitige ineinander verschmelzen darstellen, der Partner ist mit einem Mal nicht mehr nur dafür zuständig, dass ich gut lebe, er muss verdammt noch eins auch noch dafür sorgen, dass ich mich die ganze Zeit glücklich fühle. Was leider zur Folge hat, dass die Frauen, die jetzt zwar in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen und Säbelzahntiger zu töten, mit einem Mal jammernd umherwandern, weil er ihr morgens nicht wie in einem amerikanischen Spielfilm tief in die Augen blickte und ihr sagte, wie sehr er sie liebt. Das kann ja nur bedeuten, dass er sie nicht liebt. Sie ist es also nicht wert geliebt zu werden. Das Hochgefühl fällt in den Keller. Geht er, geht das Selbstbewusstsein. Schlimm. Weil wir jetzt alle alleine leben können, reden wir uns ein, dass wir ohne die Liebe eines bestimmten Menschen nicht leben können, um an der romantischen Idee der Monogamie festzuhalten. Das muss ja nach hinten losgehen und – was das witzigste daran ist – auch jeden vernünftigen Partner in die Flucht schlagen.

    Monogamie funktioniert aber. Wenn die Paare ihr Selbstwert mal rauslassen und sich tatsächlich einfach gern haben. Ist ja total aus der Mode gekommen. Diese Paare werden, weil sie aus Liebe und Freundschaft zusammen leben (und meistens ja auch, weil sie Brut zu versorgen haben) und sich gegenseitige Nichtverschmelzung gestatten, auch Fremdknutschen überleben oder eine zeitweise Verliebtheit eines der Partner in jemanden anderen.

    Ich persönlich bin ja dafür, wenn wir schon Säugetiere sind, uns auch so zu verhalten. Also im Rudel leben. Matriarchisch oder patriarchisch sei mal dahingestellt und jedem selbst überlassen (ich bevorzuge da die Gesellschaftsordnung der Elefanten). Sozusagen eine Gruppenmonogamie. Das wärs doch.

    Und für die „echte“ Monogamie ist es für mich eh zu spät. Dafür war ich in der Vergangenheit schon viel zu oft monogam.

    Kommentar von Bine — Juni 10, 2010 @ 7:09 am

  5. manchmal denk ich wißt ihr eigentlich wie sich liebe anfühlt. oder hattet ihr immer nur affären.

    Kommentar von cool-relax — Juni 10, 2010 @ 8:55 am

  6. Liebe gibt es in vielen Formen, von daher wissen wohl alle, wie sie sich anfühlt.
    Man kann seinen Partner lieben und trotzdem den Wunsch haben, für gewisse Dinge mit einem anderen Menschen zu teilen. Liebe alleine reicht nicht immer aus, um glücklich zu sein.

    Kommentar von styledarlings — Juni 10, 2010 @ 9:31 am


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