Styledarlings's Blog

Juni 14, 2010

Boris Maskow: Champagner ist eine Leidenschaft

Filed under: Food & Beverage, Lifestyle — Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , — styledarlings @ 7:58 am

Champagner-Botschafter Boris Maskow

Akribisches Arbeiten und ein hohes Maß an Merkfähigkeit sind die Grundvoraussetzungen für seinen Beruf als Jurist. Die Freude an edlen Weinen, insbesondere an Champagner, ist die Eigenschaft des Genießers. Und die Aufgabe des Champagner Botschafters ist für Boris Maskow eine Mission, die er mit Engagement und Leidenschaft betreibt. Bei Styledarlings gibt der ausgewiesene Connaisseur Tipps, worauf der semiprofessionelle Trinker beim Champagner achten sollte und verrät seine geheimen Favoriten.


Boris, wie wird ein Jurist zum Champagner-Botschafter des Comité interprofessionnel du Vin de Champagne? Du wurdest 2009 dazu ernannt.

Wenn man sich paar Jahre lang intensiv mit Champagner befasst, sich nicht nur besinnungslos durchtrinkt, sondern auch mal mit den großen und kleinen Erzeugern vor Ort spricht, sich die Weinberge ansieht, die Grundweine kennenlernt, wenn man durch und durch vom Champagner begeistert ist, dann will man irgendwann mal mehr, als nur den Freundes- und Bekanntenkreis zu missionieren. Nach meiner Überzeugung ist es die Aufgabe eines Champagnerbotschafters, dafür zu sorgen, dass Champagner buchstäblich in aller Munde ist. Als Rechtsanwalt bin ich es außerdem quasi von Berufs wegen gewöhnt, Recht zu haben und richtige Ansichten durchzusetzen. Das konnte der guten Sache ja nur dienlich sein und deshalb habe ich mich für den vom Champagnerdachverband ausgerichteten Wettbewerb angemeldet. Meine persönliche Begeisterung für den Champagner und die Champagne ist also letztlich eine glückliche Verbindung mit meiner Profession eingegangen.

Champagner ist bekanntlich das Edelste aller Getränke – wann hast du für dich festgestellt, für dich ist er mehr als einfach nur ein edler Tropfen?

Ich komme ursprünglich aus Koblenz, der einzigen Stadt an Rhein und Mosel und damit einer Stadt, in deren Einzugsgebiet sich die Weinbauregionen Mittelrhein, Mosel, Rheingau, Rheinhessen und Ahr befinden. Wenn man dann noch in einem wein- und genussfreudigen Haushalt aufwächst, kommt man zwangsläufig mit Sekt, Crémant und Champagner in Berührung. In meiner Jugend habe ich da allerdings nicht groß differenziert und auch später hatte es der Champagner bisweilen schwer, sich gegen die von mir bis heute hochgeschätzten stillen, fruchtsüßen Moselrieslinge im Kabinett- und Spätlesebereich durchzusetzen. Das änderte sich ziemlich schlagartig, nachdem ich mir von meinem ersten selbstverdienten Geld eine Flasche Jahrgangschampagner gekauft hatte. Ich weiß nicht, ob der Eindruck, den ich von dem Champagner hatte dadurch verstärkt wurde, dass ich zum Erwerb der Flasche eine für mich damals beträchtliche Summe investieren musste; jedenfalls wurde mir augenblicklich bewusst: das ist es! Hier geht es nicht nur um Prestige, Luxus, Fêtentrunk und Cliché, sondern hier spielt sich etwas im Glas und am Gaumen ab, das ist einzigartig. Nun, bei dieser Einschätzung ist es dann, um zahlreiche positive und leider auch einige negative Trinkerlebnisse erweitert, geblieben.

Wie müssen wir Genuss-Trinker uns eine Champagner-Verkostung vorstellen? Ist es ähnlich, wie bei einer Weinprobe, bei dem der Wein durch die Zähne gezogen wird, um ihn dann wieder auszuspucken?

Da wird man unterscheiden müssen zwischen Verkostungen, die quasi unter Laborbedingungen stattfinden auf der einen, und reinen Genussproben auf der anderen Seite. Wenn ich im Frühjahr zu den Grundweinproben in die Champagne fahre, dann finden diese Proben in einer sehr konzentrierten Arbeitsatmosphäre statt. Nach außen hat nichts den Anschein von Vergnügen oder Genuss und bei den zig Proben, die genommen werden müssen, ist Spucken obligatorisch. Völlig anders ist es bei Genussproben. Da möchte ich die Früchte der eigenen Verkostungsarbeit genießen können oder mich an der Aromenvielfalt eines perfekt gereiften Champagnerschätzchens weiden. In solchen Proben werden selten mehr als zwanzig Champagner in jeweils eher kleinen Mengen genossen. Bei der Gelegenheit möchte ich sehen, wie sich zwei Champagner im direkten Vergleich verhalten oder ich möchte einen langsamen Anstieg an Komplexität, Aromenvielfalt und Reife mitverfolgen. Auch bei solchen Proben gehört es dazu, dass man bewusst probiert, die geschärften Sinne müssen zuverlässig arbeiten, um das Geschmackserlebnis weitergeben zu können – aber gleichzeitig lasse ich es mir bei solchen Proben nicht nehmen, ein adäquates mehrgängiges Menu zu genießen, denn viele Champagner werden in ihrer Funktion als exzellente Speisenbegleiter völlig unterschätzt. Ich kann deshalb nur jedem raten, Champagnerproben mit begleitendem Menu zu besuchen, das erweitert den Genusshorizont enorm.

Was glaubst du, woher die weltweite Faszination für diese Perle unter den Getränken kommt?

Die Botschaft des Champagners ist seit jeher eine grundpositive, lebensbejahende, eine gute Nachricht und ein Bekenntnis zu überschwänglicher Freude. Natürlich verbindet man mit Champagner auch Luxus, Verschwendungssucht, Sittenverfall und Dekadenz, aber genau diese Mischung aus unbeschwerter Freude und purer Lust am Dasein, die stellenweise ins Delikate, ja Anstößige abzugleiten droht ist es wohl, die den besonderen, einzigartigen Reiz des Champagners ausmacht – unabhängig von seiner Qualität (die, unter uns gesagt, mittlerweile durchaus auch in anderen Regionen der Welt erreicht werden kann).

Gibt es Champagnersorten, die eher von Frauen als von Männern bevorzugt werden?

Schwer zu sagen. Man könnte ja denken, Frauen würden generell einen süsslicheren, flauschigeren Stil bevorzugen, aber beim Champagner ist das nach meiner Erfahrung gar nicht immer so. Es sind oft genug Männer, die sich pinotgeprägte, weiche, weinige und runde Champagner einverleiben, während erstaunlich viele Frauen den ultraherben, mineralischen, rassigen und schlanken, dosagelosen Stil bevorzugen. Vielleicht spiegelt sich darin ja auch etwas von den sonstigen ästhetischen Vorlieben wider, wer weiß? Am ehesten eine Frauendomäne sind allerdings die Rosé-Champagner, Frauen können sich für das Farbenspiel dieser immer stärker nachgefragten Champagner ausgiebig entzücken, Männer sind da meist deutlich reservierter.

Als Laie weiß man oft nicht, von welcher Marke man kaufen soll und greift so auf die bekannten Hersteller wie Pommery, Lanson, Moet&Chandon etc. zurück. Was kann man tun, um mal einen echten Geheimtipp zu bekommen? Und an wen sollte man sich da wenden?

An mich natürlich, dafür bin ich als Champagnerbotschafter ja da. Aber im ernst: Geheimtipps gibt es so einige, gerade in letzter Zeit tut sich bei den kleinen und kleinsten Winzern eine ganze Menge. Der Star unter den Geheimtipwinzern ist der biodynamisch arbeitende Anselme Selosse von Champagne Jacques Selosse aus Avize. In dessen Gefolge gibt es eine ganze Reihe ähnlich guter, aber stilistisch völlig eigenständig arbeitender Bio-Winzer wie Jerôme Prevost, der schwerpunktmäßig auf die Meunier-Traube setzt und David Leclapart, der einen stahligen Stil kultiviert hat. Zu den Tips gehören sicher auch Erzeuger wie Vincent Laval von Champagne George Laval, der beeindruckende Lagenchampagner macht und Cedric Bouchard mit seinen Roses de Jeanne (von seinen winzigen Parzellen kommen Trauben, die noch mit den Füßen abgepresst werden). Einige andere Winzer haben beispielsweise wegen des seit 2000 anhaltend hohen Preisniveaus für Champagner die Traubenlieferungsverträge mit den großen Häusern nicht verlängert und bekommen nun wieder Zugriff auf die Trauben aus ihren eigenen Weinbergen. Was daraus zum Teil entsteht, sind traumhafte Champagner von selten erreichter Klarheit, Brillanz und Tiefe. Der Blanc de Noirs von Ulysse Collin aus dem verschlafenen Nest Congy gehört für mich zu diesen Geheimtips, leider gibt es für Deutschland nur eine Zuteilung von genau 204 Flaschen und ich habe lange überlegt, ob ich diesen Tip überhaupt publik machen sollte oder ob ich nicht einfach alles kaufe, was von diesem Champagner noch zu bekommen ist. Zu den etwas einfacher und in größerer Menge erhältlichen Champagnern zählen natürlich noch die von Jacquesson aus Dizy und Philipponnat aus Mareuil-sur-Ay, beide verfügen in Deutschland über ein gutes Vertriebsnetz. Auch Besserat de Bellefon hat mit dem Blanc de Blancs einen hervorragenden, freilich nicht ganz billigen Champagner im Programm. Auch die Champagner von Drappier und Alfred Gratien sind eigentlich schon keine Geheimtips mehr, gehören aber zusammen mit Bollinger und Pol-Roger zu den empfehlenswerten Champagnern abseits der Supermarktmassenware. Wer sich über die Entwicklungen in der Winzerszene einen Eindruck verschaffen möchte, dem empfehle ich mein Champagnerblog www.sparkling-online.com, dort berichte ich zeitnah von Verkostungen und berichte von meinen Besuchen vor Ort.

Welchen Champagner empfiehlst du unseren Lesern für den Sommer?

Am Tag einen mineralischen, spritzigen Winzerchampagner z.B. den Carpe Diem Extra Brut von Grongnet oder den Blanc de Blancs Grand Cru von Robert Moncuit und für die lauen Abendstunden einen leichten, herrlich fruchtigen und dennoch tiefgründigen Rosé z.B. von Bernard Hatté, Larnaudie-Hirault oder Nominé-Renard.

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