Styledarlings's Blog

Juni 17, 2010

Nicht mit und nicht ohne Hamburg – Phänomen „Landflucht“

Filed under: Places to be — Schlagwörter: , , , , , — styledarlings @ 10:08 am

Weitblick

Platz da

Landlounge

Ich gebe es zu: Ich bin Küstenkind und werde es immer bleiben. Als geborene Kieler Sprotte und Tochter eines Meesresphysikers zieht es mich immer und überall zum Wasser. Als ich Anfang der 90er nach Hamburg zog und ab sofort nie wieder zurück in die Kleinstadt wollte, war mein einziges Problem, dass der gemeine Hanseat bei gutem Wetter in den Park zu pilgern pflegt und Alster- oder Elbblick genießt. Und das reicht ihm! Wohin mit mir also am Wochenende, wenn mir die städtische Wiese zu laut, zu dreckig und zu eng ist?!? Ich hatte Glück! Ich traf einen Mann mit familiärem Haus am Meer – was will man mehr? Mittlerweile gehört das Haus uns und, dank unseres gemeinsamen Faibles für Design und Inneneinrichtung sowie dem Einsatz unseres Freundes und Architekten Jens Thiede, ist aus dem 70er-Bungalow mittlerweile eine echte Perle geworden. Und jetzt zieht es uns, immer wieder Freitags, dahin. Nach St Peter-Ording. Bis Montag früh. Dann geht’s zurück in unser geliebtes Hamburg, wo wir nie und nimmer abseits der Innenstadt leben wollten. Vor-Ort-Idylle mit „Wir sind in einer viertel Stunde in der Stadt“ (das sagen sie alle!) ist uns ein Graus. Lieber 90 Minuten An- und Abfahrtszeit zum Eigenheim. Paradox, aber so sind wir Menschen halt. Wir Semi-Großstädter mit einem Bein auf der Wiese sowieso.

Bis vor einigen Jahren habe ich mit Nordseeflair die „Lange Anna“ auf Helgoland verbunden – nebst viel zu vielen alkoholisierten Tagestouristen. Die frühe Nordsee-Prägung hatten meine Großeltern zu verschulden, die dort lebten und wo ich etliche Ferien verbrachte. Ja: inmitten der scheußlichen 50er-Jahre-Bauten, aber immer mit Wind in den Haaren, James Krüss vor der Nase und dem Leuchtturm im Rücken. Schön war’s. Aber nie kultig, angesagt oder auch nur ein petit peux schick!

So war es in St Peter-Ording auch, als ich Anfang des Jahrtausends dort das erste Mal aufschlug. Ballonseideanzugträger – im Partnerlook! Muschelsucher in gelben Gummistiefeln. Kinder mit Pommes Rot-Weiß in der Hand… Aber so langsam wird’s. Die gute Nachricht ist: Wir sind nicht die einzigen, die in der Woche mitten in der Stadt leben und am Wochenende Landpomeranzen spielen. Wir sind nicht allein!

Seit einiger Zeit gibt es bei uns ein „Designhotel“ mit Namen Strandgut, das schön statt spießig ist und entsprechend urban anmutende Gäste beherbergt. Plötzlich treffe ich Leute da an der Nordsee, die ich dort nicht vermutet hätte. Mit Derbe-Regenjacke und Aigle-Gummistiefeln statt oben genannter Montur. Und sie sitzen bei Gosch – im Strandkorb mit Meerblick – statt an der Imbissbude. Oder sie geben sich dem grassierenden Kite-, Strandbuggyfahren- oder Surf-Wahn hin.

Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Küstentouris wie man sie sich eigentlich vorstellt, gibt es weiter zu Hauf! Das macht aber nix. Leute wie wir gesellen sich zunehmend dazu und alle zusammen bieten einen entspannten Mix der „Ich bin dann mal weg“-Gesellschaft. Viele von denen mit ähnlichem Lebenskonzept wie dem meiner Kleinfamilie: mal hier, mal da. Mal Großstadtpflanze, mal Landei. Von beidem ein bisschen und selten davon zu viel. Perfekt. Jetzt gerade. Mal sehen, was ich in zwei Jahren sage (-:

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