Styledarlings's Blog

Mai 28, 2010

Schriftstellerin Wiebke Lorenz: Vom Schreiben

Bestsellerautorin Wiebke Lorenz

Als die „Styledarlings“ mich neulich fragten, ob ich nicht Lust zu einem Gastbeitrag hätte, in dem ich erkläre, wie ich eigentlich meine Romane schreibe, dachte ich mir: „Ja, klar, kann ich machen.“ Dann setzte ich mich hin und überlegte, wie genau bei mir ein Buch entsteht – und kann es eigentlich in einem Satz zusammenfassen: Ich fange auf der ersten Seite an und höre mit der letzten auf. Das ist alles.

Na gut, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Leider, wie ich zugeben muss. Denn zwischen der ersten und der letzten Seite durchlebt ein Autor – halt, ich sollte nicht in der allgemeinen Form sprechen! – also, durchlebe ich alle Höhen und Tiefen, die dieser Beruf so mit sich bringt. Von Euphorie und Begeisterung über nervende Schreibblockaden bis hin zu totalem Selbstzweifel über den Schwachsinn, den ich da gerade zu Papier gebracht habe, ist alles vertreten, was die emotionale Skala so hergibt. In der Regel tendiere ich drei bis vier Wochen vor Manuskriptabgabe jedes Mal dazu, das Schreiben nach der Beendigung dieses Buches ein für alle Mal an den Nagel hängen zu wollen und mir einen anderen Beruf zu suchen. Aber dann, wenn der fertige Roman endlich in den Regalen der Buchhandlungen steht, das Cover noch neu und glänzend ist, die Seiten diesen beim Durchblättern so typischen Geruch verströmen – dann rattern die Rädchen in meinem Kopf schon wieder los und suchen nach einem neuen Stoff für das nächste Werk. Vergessen sind all die Selbstzweifel, die schlaflosen Nächte, die Panikattacken, dass ich nicht rechtzeitig fertig werde. Alles Schnee von gestern, natürlich schreibe ich weiter! Vielleicht ist es wie bei Müttern, die noch in den Geburtswehen schwören, nie wieder ein Kind zu bekommen – und wenige Monate später mit einem Geschwisterchen liebäugeln … So geht es mir mit dem Schreiben: So sehr ich es manchmal hasse, liebe ich es doch auch.

Aber von vorne: Wie kam es eigentlich dazu? Habe ich schon als Kind davon geträumt, eines Tages Schriftstellerin zu werden, das und nichts anderes, die Nase ständig in irgendeinem Buch vergraben? War ich bereits als Zehnjährige Verfasserin poetischer Zeilen, gab’s mit fünfzehn den ersten Romanversuch? Nein, eine so anrührende Geschichte kann ich leider nicht erzählen. Zwar habe ich als Teenager während eines Spanienurlaubs mal ein Fantasymärchen in ein Schreibheft gekritzelt und habe auch immer gern gelesen – aber viele Jahre lang schlug mein Herz einzig und allein für die Musik. Das wollte ich machen, als Konzertcembalistin die Welt bereisen! Aber zunächst sorgte der Zufall erst einmal dafür, dass ich als Siebzehnjährige die Käffer rund um meine Heimatstadt Neuss bereiste. Man suchte bei der örtlichen Tageszeitung eine Konzertkritikern, den Führerschein hatte ich nach einem Jahr in den USA bereits in der Tasche (das war wichtig, um von Kaff zu Kaff zu kommen), ich hatte als Leistungskurs Deutsch belegt und kannte mich mit Musik recht gut aus – warum also nicht? 50 Mark pro Kritik waren ein zusätzlicher Anreiz, denn chronisch pleite war ich natürlich auch. An meinem ersten 30-Zeilen-Text für die Zeitung saß ich ganze zwei Tage, damals noch mit Schreibmaschine und Tipp-Ex. Eine echte Quälerei, denn ich wollte den Feuilletonchef selbstverständlich beeindrucken. Ob er beeindruckt war, weiß ich nicht – aber meine Kritik erschien und es folgten weitere Aufträge. Da habe ich angefangen, Blut zu lecken. Als ich merkte, dass mir das Schreiben liegt, dass ich damit tatsächlich sogar GELD verdienen kann und es noch dazu wesentlich abwechslungsreicher ist, als jeden Tag sechs Stunden vor dem Instrument zu sitzen, ließ ich mehr und mehr von meinem eigentlich schon sicher beschlossenen Musikstudium ab. Journalismus sollte es nun sein – oder Werbung.

Nach dem Abitur hatte ich die Nase vom Lernen erst einmal so voll, dass ich nicht wie die meisten meiner Klassenkameraden zur Uni ging, sondern zu einer großen Frankfurter Werbeagentur, um dort Texterin zu werden. Eine tolle Zeit! Und eine grauenhafte, denn neben massivem Heimweh litt ich doch ziemlich unter dem Druck, der in so einer großen Agentur herrscht. Natürlich war es spannend, für riesige Etats zu arbeiten oder auch mal kurz zu einem Kunden nach London zu fliegen – aber auf Befehl kreativ sein zu müssen, gern auch mal bis nachts um zwei, dafür war ich mit neunzehn irgendwie noch zu zart besaitet und fürchtete, in wenigen Jahren komplett ausgelaugt zu sein. Dann also doch Uni, nach einem halben Jahr Frankfurt schrieb ich mich in Trier für Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft ein. Im Vergleich zu meinem Job in der Agentur ein wahrer Kindergeburtstag, auf einmal hatte ich so viel Zeit, dass ich gar nicht wusste, wohin damit. Also fing ich an, neben dem Studium wieder frei für die Zeitung zu schreiben und jobbte darüber hinaus noch beim Radio. Übrigens: In Sachen Hörfunk war mir ziemlich schnell klar, dass das nichts für mich ist, noch heute muss ich mich totlachen, wenn ich mir alte Beiträge von mir anhöre, denn ich klinge, als sei ich zwölf Jahre alt. Höchstens.

Im letzten Semester – ich hatte gerade meine Magisterarbeit angemeldet – entdeckte mein damaliger Freund auf meinem Computer ein Versatzstück aus einer Kurzgeschichte, die ich mal aus einer Laune heraus angefangen hatte. Er war davon so begeistert, dass er meinte, ich müsse daraus unbedingt einen Roman machen. Eigentlich wollte ich nicht – ich musste zu der Zeit ja auch meine Magisterarbeit schreiben – aber er hat mich so lange gedrängt, bis ich schließlich angefangen habe. Dabei geriet ich zum ersten Mal in diesen Rausch, der auch heute noch Besitz von mir ergreift, wenn ich ein neues Buch beginne. Ich konnte nicht mehr aufhören, und drei Monate später war mein erster Roman „Männer bevorzugt“ fertig. Weihnachten schenkte ich meiner Mutter eine klebegebundene Fassung davon. Sie war entsetzt, als sie das Päckchen öffnete, denn sie hatte erwartet, darin meine Magisterarbeit vorzufinden. Da gab’s dann erst einmal ziemlichen Ärger, denn ich musste gestehen, mit der Abschlussarbeit für die Universität noch gar nicht angefangen zu haben. Nun ja, ich will es mal so formulieren: Ich habe meinen Magister noch geschafft. Irgendwie.

Nach dem Studium zog ich nach Hamburg und fing dort ein Volontariat bei einem Zeitschriftenverlag an. Gleichzeitig versuchte ich, mein Manuskript irgendwo unterzubringen, was sich schwieriger gestaltete, als gedacht (ich war schon immer eine unglaubliche Optimistin mit einer „Das klappt schon“-Einstellung). Nach 23 mehr und mal weniger freundlichen Absagen kam mir der Zufall zur Hilfe: Auf einer Party lernte ich eine Lektorin von Rowohlt kennen, die ich so lange in Grund und Boden sabbelte, bis sie mir ermattet ihr Kärtchen gab und meinte, ich solle ihr den Text mal zuschicken. Vermutlich ein reiner Akt der Notwehr, damit ich endlich von ihr ablasse. Allerdings: Drei Wochen später rief sie mich an. Sie würden „Männer bevorzugt“ drucken. Bis heute gehört dieser Anruf zu einem der schönsten Momente meines Lebens, ich bin regelrecht ausgeflippt vor lauter Freude!

Der Rest ist schnell erzählt: Ich arbeitete weiterhin als Journalistin und schrieb aber, nachdem „Männer bevorzugt“ sehr gut lief, gleich meinen zweiten Roman „Liebe, Lügen, Leitartikel“. Außerdem erhielt ich an der Internationalen Filmschule Köln ein Stipendium für eine Drehbuchausbildung, so dass ich den Roman dort auch gleich für das Fernsehen adaptierte. Unter dem Titel „Welcher Mann sagt schon die Wahrheit?“ (keine Ahnung, wer sich den ausgedacht hat …) lief „Liebe, Lügen, Leitartikel“ zwei Jahre später als Fernsehfilm bei Sat.1. Zur gleichen Zeit beschloss ich, meinen Job als Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift aufzugeben, um nur noch frei zu arbeiten. Eine Festanstellung und dazu immer abends, am Wochenende oder im Urlaub zu schreiben, war auf Dauer doch etwas anstrengend, also wollte ich probieren, ob ich mich nicht als Selbstständige durchschlagen kann. Nach den ersten zwei Jahren, in denen ich hin und wieder nachts mal schweißgebadet aufwachte und mich fragte, welcher Teufel mich da nur geritten hatte, meine sichere und gemütliche Festanstellung aufzugeben, ging es dann ganz gut …

Heute arbeite ich nur noch wenig journalistisch, hin und wieder mal ein Artikel, in der Zeitschrift „Cosmopolitan“ habe ich zusammen mit dem TV-Moderator Christian Clerici eine Kolumne. Und dann gibt es natürlich noch mein alter ego „Anne Hertz“, unter diesem Pseudonym schreibe ich zusammen mit meiner Schwester Frauke Unterhaltungsromane. Als Wiebke Lorenz habe ich nach drei Komödien mittlerweile einen anderen Weg eingeschlagen, gerade wurde mein erstes Psychodrama „Allerliebste Schwester“ veröffentlicht.

Zurück zum Ausgangsthema: Wie genau schreibe ich nun also? Ich weiß es nicht. Es gibt ein paar handwerkliche Kniffe, die ich vor allem an der Filmschule Köln gelernt habe, die mir sicher helfen. Aber wo die Ideen herkommen, die Wörter, die Sätze – keine Ahnung, sie sind plötzlich einfach da. Dann setze ich mich hin und fange mit dem Schreiben an. Das ist auch der beste Tipp, den ich jedem geben kann, der damit liebäugelt, Autor zu werden: Hinsetzen und anfangen. Und nicht aufhören, bevor man fertig ist.

Info:

Wiebke Lorenz wurde 1972 in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft absolvierte sie ein Verlagsvolontariat in Hamburg. Unter ihrem eigenen Namen hat sie bisher vier Romane veröffentlicht, unter anderem „Was? Wäre? Wenn?“ und „Allerliebste Schwester“. Gemeinsam mit ihrer Schwester Frauke schreibt sie unter dem Pseudonym „Anne Hertz“ Unterhaltungsromane, die regelmäßig auf der Bestsellerliste landen, zuletzt „Goldstück“. Mit dem TV-Moderator Christian Clerici hat sie eine gemeinsame Kolumne in der Cosmopolitan, im September erscheint das Buch dazu unter dem Titel „Er sagt/Sie sagt – Erkenntnisse über Männer, Frauen und das Leben an sich.“ Mehr Infos unter: www.wiebke-lorenz.de und www.anne-hertz.de

Mai 19, 2010

Miriam Pharo: Ein Leben im Jahre 2066

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Autorin Miriam Pharo

Autorin Miriam Pharo

Miriam Pharo, 44, ist Schriftstellerin aus Leidenschaft und Berufung. Geboren im spanischen Cordorba, verbrachte sie die ersten Kindheitsjahre im französischem La Rochelle, um mit neun Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland zu ziehen. Obwohl sie nicht in der schönsten aller Städte lebt, schlägt ihr Herz für Hamburg und so ist es kaum verwunderlich, dass die Zukunftsthriller der Autorin in der Hansestadt spielen bzw. vielmehr in der Stadt, die Hamburg im Jahre 2066 sein wird: Hanseapolis.

Am 29. Mai haben Fans des Genres Zukunftsthriller die Möglichkeit, die sympathische Miriam Pharo bei einer exklusiven Bunker-Lesung aus ihrem zweiten Buch „ Sektion 3 / Hanseapolis Schattenspiele“ live zu erleben.

Karten für € 10,-, unter via Mail lesung@spinnaker-events.de

Sektion 3 / Hanseapolis „Schlangenfutter“ und „Schattenspiele“ mutet schon sehr futuristisch an. Darunter steht „Zukunftsthriller“ – also eine Mischung aus Krimi und Science-Fiction. In welchem der Genres siehst du dich selbst am ehesten?
Ich sehe mich eher im Science-Fiction-Genre, weil es meine Fantasie anregt und unendlich viele Geschichten bereit hält. Mit meinen Romanen möchte ich auch Nicht-SF-Leser begeistern, vor allem Frauen. Das schönste Kompliment für mich ist, wenn eine Leserin schreibt: “Eigentlich lese ich keine SF, aber ich fand das Buch ganz toll!“ Science-Fiction-Leser sind tendenziell männlich. Viele Frauen schreckt neben dem Technik-Aspekt die düstere Atmosphäre ab. Zwischenmenschliches, psychologische Tiefe und große Emotionen findet man im SF-Genre eher selten. Leider. Vielmehr wird es von einer harten, gewalttätigen Realität beherrscht. Märchenhaftes hat da keinen Platz, im Gegensatz zu historischen Romanen oder Fantasy. Beim Schreiben versuche ich deshalb, nicht eindimensional zu sein, sondern Situationen sprachlich angemessen zu würdigen. Wenn eine bis zu den Zähnen bewaffnete Spezialeinheit zur Tat schreitet, geht es natürlich hart zur Sache. Wenn sich Elias, mein männlicher Protagonist, in seine Welt zurückzieht, wird es fast philosophisch, und wenn seine Partnerin Louann dem blutigen Alltag entrinnen will, steckt sie ihre Nase in einen historischen Roman. Das ist das Leben.

Die Geschichten spielen in der Megacity Hanseapolis – ein Zusammenschluss der alten Hansestädte Hamburg und Lübeck. Wie bist du auf den Gedanken gekommen, deine Geschichte in Norddeutschland spielen zu lassen?

Ich habe eine Zeitlang in Hamburg gelebt und fand, dass diese wunderschöne und faszinierende Stadt die ideale Kulisse für einen Zukunftsroman darstellt, der in Deutschland spielen sollte. Als mir klar wurde, wie riesig die Ausmaße einer Megacity im Jahr 2066 sein mussten, kam mir die Einsicht, dass diese bis nach Lübeck reichen könnte. Auch wenn in meinem Roman außer dem Holstentor, das unter einem schützenden Glassolitär steckt, nicht mehr viel von Lübeck übrig geblieben ist. Die Lübecker mögen es mir verzeihen. Das flache Land zwischen den beiden Hansestädten schien mir wie prädestiniert für die Bildung einer futuristischen Megacity.

Deine Hauptfiguren sind Louann Marino und Elias Kosloff, ein sehr unterschiedliches Ermittlerpaar. Sie sehr enthusiastisch, er ein wenig fragwürdig. Hattest du bei ihrer „Geburt“ jemanden bestimmtes im Kopf oder haben sie sich während des Schreibens zu Persönlichkeiten entwickelt?

Ich hatte bei meinen Hauptfiguren niemand bestimmtes im Sinn. Ich habe sie nicht kreiert, vielmehr haben sie sich mir nach und nach erschlossen. Ihre Persönlichkeiten setzten sich nur langsam zusammen, wie im realen Leben. Es gibt Autoren, die Psychogramme ihrer Figuren erstellen, inklusive einer ausführlichen Biographie, um sie dann entsprechend handeln zu lassen. Ich stelle mir das sehr schwierig vor, schließlich kann ich im normalen Leben auch nicht immer vorhersagen, wie Menschen reagieren werden, sogar wenn sie mir vertraut sind. Ich jedenfalls lasse mich lieber von meinen Figuren überraschen. Sie werden von Urbedürfnissen wie Angst, Liebe, Gier oder Ehrgeiz geleitet. Alles andere ergibt sich aus der Situation.

Was macht die Sektion 3 in deinen Augen so lesenswert?

Ein Leser schrieb einmal: „Es ist ein Thriller. Es ist Science-Fiction, aber es könnte auch morgen sein. Man wird in eine fremde Welt versetzt, die mysteriös, fremdartig, anders ist. Und trotzdem wirkt alles vertraut.“ Es ist deshalb lesenswert, weil es deutschsprachige Science-Fiction ist, die sich auch tatsächlich mit dem Schauplatz Deutschland beschäftigt. Leider unterwerfen sich viele Autoren der Konvention, jede erzählbare Zukunft müsse amerikanisch sein, wobei Europa und Asien höchstens Quotenanteile in Form von Nebenfiguren zugestanden werden. Abgesehen davon ist Sektion 3 / Hansepaolis sauspannend!

Bisher gibt es zwei Bücher aus der Reihe „Sektion 3 / Hanseapolis“. Sind weitere geplant? Schreibst du vielleicht schon an einem?

Meines Erachtens birgt die Thematik noch viele spannende Geschichten, denn auch wenn Hanseapolis im Mittelpunkt steht, bekommt man Einblicke, wie es in Europa, der Welt und sogar darüber hinaus zugeht. Zurzeit arbeite ich tatsächlich  an einem dritten Hanseapolis-Roman. Der vorläufige Titel lautet „Präludium“, kein zweigeteilter Roman dieses Mal, sondern eine eigenständige Story. Das Buch wird in 24 Kapitel aufgeteilt sein, nach den Präludien von Frédéric Chopin. Von der Grundstimmung leitet mich die Musik. Das 1. Kapitel ist thematisch lebhaft, das 2. getragen und eher „dumpf“, das 3. beginnt mit einem kurzen (flatternden) Rundflug über der Stadt, usw.

Du bist Werbetexterin und hast für verschiedene Agenturen und Unternehmen gearbeitet. Wie und wann entstand die Idee, ein Buch schreiben zu wollen?

Wie viele meiner Texterkollegen hatte auch ich den Traum, eines Tages ein Buch zu schreiben. Doch irgendwie war nie der richtige Moment. Der kam erst, als wir aus Hamburg wegzogen.

Ursprünglich ist der erste Roman als E-Book in Eigenregie gestartet. Haben Verlage dein damaliges Script abgelehnt? Wie waren die Resonanzen auf das E-Book?

Ehrlich gesagt habe ich keinen einzigen Verlag angeschrieben. Stattdessen habe ich meinen Roman als interaktives E-Book veröffentlicht und auch vertrieben. Mithilfe einer Hamburger Grafikerin gingen wir mit der PDF-Version meines Romans bis an die Grenzen der technischen Möglichkeiten. Wir haben Mouse-Over-Funktionen eingebaut, mit denen der Leser die Gedanken der Figuren bzw. Illus und futuristische Hintergrundinfos aktiv sichtbar machen konnte. Die Story sowie die interaktiven Gimmicks, die perfekt zum Science-Fiction-Genre passten, kamen bei den Lesern sehr gut an. So wurde letztlich auch mein jetziger Verlag auf mich aufmerksam.

Mit deinem Mann hast du eine zeitlang in Hamburg gelebt. Was hat dir hier besonders gefallen? Gab Hamburg den Ausschlag für die Romane?

Als wir 2006 aus beruflichen Gründen in den Süden zogen, war ich sehr betrübt. Zu der Zeit begann ich auch, meinen ersten Roman zu schreiben. Zu Anfang war die Sehnsucht sicherlich federführend. Es hat auch über drei Jahre gedauert, bis ich es übers Herz gebracht habe, Hamburg wieder zu besuchen. Für mich ist die Stadt eine der schönsten in Europa. Es war zwar Liebe auf den zweiten Blick, dafür aber richtig. Meine Romane sind eine Hommage an diese großartige Stadt, deren Schönheit oft verkannt wird, vor allem international. Das Flair, die Menschen, das Zusammenspiel von Alster und Elbe … das alles stellt für mich eine wunderbare Kulisse dar. Övelgönne und die Außenalster waren Plätze, die mich immer verzaubert haben. Ich bin in meinen Romanen nicht gerade zimperlich, trotzdem habe ich es nicht fertig gebracht, die Jugendstilvillen an der Außenalster platt zu machen. Im Jahr 2066 befindet sich hier ein Nobelbezirk, der mithilfe eines gigantischen Kraftfelds vor dem Moloch der Großstadt geschützt wird. Dafür ist die Binnenalster zu einem riesigen Teich im Herzen der Europapassage „verkommen“ und Övelgönne existiert schon lange nicht mehr. Das Planten un Blomen, eine weitere Oase der Muße, habe ich kurzerhand 700 Meter über den Boden verfrachtet und über die Elbphilharmonie regt sich schon lange niemand mehr auf. Sie gilt als „Alte Dame“ der HafenCity.

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